20150115_073258

Berlin bewegt sich – und ich bin mittendrin

Berlin als Brutstätte für Startups im Bereich der Kollaborativen Ökonomie? Für Christiane Jakobs definitiv: In diesem Gastartikel und Erfahrungsbericht erzählt sie uns von ihrem Blick auf die Stadt.

Berlin. Die Sonne scheint durch das Fenster. Der Himmel ist irgendwie viel schöner als an den Orten, an denen ich bisher gelebt habe. Besonders wenn man morgens über die Schillingbrücke spaziert – rechts taucht die Sonne unter der Oberbaumbrücke auf und links klettert der Fernsehturm langsam aus den Wolken. Berlin macht Spaß. Jeden Tag. Die Stadt der Kreativen und der freien Entscheidungen gibt Menschen mit neuen Ideen den Raum etwas Großartiges daraus zu machen.

Deshalb ist auch die Sharing Economy ein so fester Bestandteil der Berliner Unternehmenskultur. Startups schießen wie Pilze aus dem Boden und Menschen wie ich kommen genau wegen dieser Möglichkeiten in die Stadt. Mit einem Arbeitsvertrag bei einem coolen Sharing Economy-Startup in der Tasche kam ich in meiner neuen Heimat an – im Spätsommer, wo es noch warm war und die Bäume schon schön bunt werden. 30 Wohnungsbesichtigungen später lässt die Euphorie etwas nach. Man begegnet den gleichen Menschen an den verschiedenen Adressen. Meist leben die Mitbewerber schon in Berlin, in Kreuzberg, Neukölln oder Prenzlauer Berg und wollen in den aufstrebenden Kiez. Offensichtlich ist man in Berlin ständig auf der Suche nach der wirklich perfekten Wohnung. Am liebsten Altbau, ein großer Balkon nach Süden und Stuck an den Decken, am besten im Graefekiez. Ich wurde langsam nervös, wenn ich 40 Menschen vor der Wohnung stehen sah. Dabei hatte der Umzug noch gar nicht begonnen.

Umziehen hatte ich noch nicht im Zusammenhang mit dem KoKonsum betrachtet. Klar, es gibt die Startups, auf deren Plattform man eine Wohnung zur Zwischenmiete findet oder ein paar Tage auf der Couch eines Berliners verbringen kann. Auf anderen Webseiten findet man einen Transporter von einer Privatperson. Was man nicht findet, sind Umzugskartons, die einen nicht im Stich lassen. Man fährt stattdessen drei mal zum Baumarkt und schleppt Pappkartons nach Hause, deren Aufbau einen ungeduldigen Menschen wie mich schon wahnsinnig macht – ganz zu schweigen von nassen Kartons oder gerissenen Henkeln. Irgendwann wird der KoKonsum alle Bereiche des Lebens durchziehen – auch das Projekt Umzug. Es wird ganz normal sein, einen Transporter von einer Carsharing-Plattform zu mieten, während der Wohnungssuche bei netten Berlinern über Airbnb zu übernachten und eine provisionsfreie Wohnung auf Immobilienscout zu finden. Und jetzt wird es für die Berliner auch möglich, Umzugsboxen zu teilen.

Das junge Startup Box at Work liefert die stabilen Boxen aus recycelbarem Plastik und nimmt einem damit zum einen den Baumarkt-Besuch ab und zum anderen das schlechte Gefühl, Unmengen von Pappkartons nach dem Einzug wegzuwerfen oder damit den kleinen Keller vollzustellen. Umziehen goes Sharing Economy – und ich bin mittendrin! Und besonders schön ist, dass Box at Work auch noch den gängigen Selfstorage-Modellen eine Alternative entgegenstellt. Lagern in unseren Boxen!

—-

Nach8L1C700dem ich meinen Bachelor in Politik, Soziologie und Kommunikationswissenschaft abgeschlossen hatte, verließ ich das schöne Düsseldorf und ging nach Münster, um dort meinen Master der Strategischen Kommunikation zu machen. Durch ein Praktikum bei tamyca, einer Plattform für privates Carsharing bin ich auf die Shareconomy aufmerksam geworden und fing an mich für das Thema aus wissenschaftlicher Perspektive zu interessieren. Da bot es sich an, im Kontext meiner Masterarbeit zu dem Thema zu forschen. Gesagt, getan – der Titel meiner Masterarbeit lautet: „Trust in the Shareconomy“. Um auch nach meinem Abschluss in diesem spannenden Feld weiter arbeiten zu können, fing ich als Online Marketeer bei Box at Work an, einem jungen Startup, das Umzugs- und Lagerboxen vermietet, um Pappe einzusparen.